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Stimmungsbilder


Der Monitor(Okt. - 07)

Gestern bin ich beim Arzt gewesen. Im Vorzimmer ist eine Art Schranke, bis etwa in Brusthöhe. Dort stellte ich meine Tasche ab, sah aber nicht, dass eine niedere Wasserschale mit Blumen dort stand. Plötzlich schrie die dort am PC sitzende Assistentin auf und schob meine Tasche schnell zur Seite. Der Blick der Dame war verächtlich, ja mehr noch - sie mass mich von oben bis unten während ihr Blick von hasserfüller Herablassung triefte, so dass mein Blut fast in den Adern gefror. Ich hätte nämlich fast die Schale mit dem Wasser von der Schranke hinuntergestossen, sie wäre direkt auf den darunter stehenden Monitor gefallen.

Das wäre ein "Spass" gewesen! Heutzutage wo doch alles so global und vernetzt ist.
Ich sehe es vor mir: Sämtliche Sicherungen verabschieden sich mit grossem "PIFFTSJ!" und einem kleinen Rauchwölklein. Es riecht streng nach gesengtem Kabel. Der Strom fällt umgehend aus, zuerst im Haus, dann im Stadtviertel, dann in der ganzen Stadt.
Die Schockwellen pflanzen sich weiter fort, breiten sich über das ganze Land, Europa, die Welt. Der Mond zittert, die Sonne verliert ihren Schein. Die Erde verfinstert sich bevor es *BÄNG!!!* macht und sie in tausende Stücke zerreisst.....
....und ICH war Schuld!


Der ganz alltägliche Usenet-Wahn
Karl-Otto und Henry (Aug. - 06)

Im Usenet *) ist es, wie mir scheint, fast unmöglich eine gepflegte Diskussion zu führen. Ich habe eine kleine fiktive "Diskussion" in satirischer Manier zwischen Karl-Otto und Henry verfasst, so wie er im Usenet hätte aussehen können, um mal den Alltag und die Normalität dortselbst humorig aufzuzeigen. Habe keine spezielle NG gemeint, mir kommt vor, dass dieser Ton in der "Unterhaltung" der allgemein Übliche ist.

>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Karl-Otto wrote:
>>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Hol Wasser, o Henry!
>>>>>>>>>>>>>>>>>>> Womit denn, Karl-Otto?
>>>>>>>>>>>>>>>>>> Mit dem Eimer oder, du Depp!
>>>>>>>>>>>>>>>>> Selber ein Depp!
>>>>>>>>>>>>>>>>> Wie komme ich eigentlich dazu, dir Wasser zu holen, du
>>>>>>>>>>>>>>>>> fauler Sack? Übrigens: Der Eimer hat ein Loch.
>>>>>>>>>>>>>>>> Dann verstopf es doch, oh Henry! Schau net so blöd:
>>>>>>>>>>>>>>>> MACH'S DICHT!
>>>>>>>>>>>>>>> Schrei mich gefälligst nicht so an. Womit soll ich's
>>>>>>>>>>>>>>> eigentlich stopfen, du Klugscheisser.
>>>>>>>>>>>>>> Versuchs mal mit Stroh. Hast ja genug davon im Kopf.
>>>>>>>>>>>>> Ha-ha, sehr witzig. Stroh ist viel zu lang für diesen Zweck.
>>>>>>>>>>>> Dann kürze es eben. So weit konntest du nicht denken, gell?
>>>>>>>>>>>> Mensch, hack's ab!
>>>>>>>>>>> Deine Beleidigungen gehen mir langsam auf den Senkel, du
>>>>>>>>>>> Obertrottel! Nur weil DU jetzt Wasser willst, soll ich wie
>>>>>>>>>>> einen Lakai springen. Geht's dir noch gut? Womit soll ich
>>>>>>>>>>> das blöde Stroh eigentlich kürzen, lieber Karl-Otto? Na? So
>>>>>>>>>>> - jetzt bist du dran, du Supermega-Alleswisser.
>>>>>>>>>> Wie wär's mit einer Axt? Idiot.
>>>>>>>>> Freut mich - Henry.
>>>>>>>>> Eine Axt! Na prima! Die ist doch viel zu stumpf!
>>>>>>>> HA! Wie bitte?
>>>>>>> Zu STUMPFF!
>>>>>> Heeey! Spuck mir gefälligst nicht ins Auge, Gebissträger! Musst
>>>>>> wohl deinen Haftkleber nachjustieren...Die Axt muss man eben
>>>>>> schärfen, du Intelligenzbestie. MACH SIE SCHARF!
>>>>> Na, na - höre ich da einen frivolen Unterton, du Flegel? Womit
>>>>> soll ich sie schärfen, Oberschlaumeier, womit?
>>>> Tz, tz - womit, womit! Du hast wohl die Gebärmutter durch den
>>>> falschen Kanal verlassen, du Döskopf! Mit einem stein, natürlich.
>>>> Mit einem STE-HEIN
>>> Aha, mit einem Stein, so. Du Muster von einem Technikgenie! Ein
>>> Stein ist zu trocken!
>> Örks, Gott bist du ein Blindgänger. Hol halt Wasser, oder?
> Jetzt ist es genug! Jetzt habe ich deine Anfeindungen und
> Beschimpfungen satt. Ich werde jetzt das Usenet verlassen, mir
> reichts. Hier wird man mich bestimmt nie wieder sehen!
> Aber eines sage ich dir bevor ich gehe: WOMIT SOLL ICH WASSER HOLEN
> WENN EIN LOCH IM EIMER IST?????
> So!! Jetzt hast du etwas zum knacken, du abgehirnte Ober-DAU, dein
> Benehmen hier ist unter aller Sau!

Epilog:

Karl-Otto ist die Antwort schuldig geblieben. Er geht in andere NGs, um seine Streitsucht auszuleben und Henry zieht sich ins RL zurück, um in Frieden und Ruhe seine Orchideen zu züchten.

*) Nur für Leser die das Usenet nicht kennen: Siehe die Wikipedia-Definition hierzu.


Ein Tag im Leben einer Kuh(Juli - 01)

Eine Kuh, den Kopf gesenkt, steht mitten in dem vom Morgentau, wie von tausenden Perlen übersäten, glänzenden Gras. Die Nüstern suchen wie zwei kleine Staubsauger den duftenden Boden nach Schmackhaftem ab, und sie zupft mit ihrem weichen Maul Halm für Halm, während sie, mit einem unglaublich dummen Ausdruck in den sanften Augen, weit ins Blaue schaut.
Lang dauert es, bis sie einen Schritt nach vorne macht, um so, unendlich langsam, einen kahlgefressenen Pfad mit grossen, dunkelbraunen, fliegenumschwärmten, weich-feuchten Haufen, deren Ränder sich langsam auf Kosten der Höhe ausbreiten, in der Wiese zu hinterlassen.
Satt geworden, legt sie sich umständlich nieder und macht ein Nickerchen in der Sonne, während das Vertilgte einstweilen in ihrem Magen Nr.1 der weiteren Verarbeitung harrt.
Sie ist jetzt ein einziger blubbernd-gärender Verdauungsprozess und sie geniesst es. Der Wind der sanft über die Wiese streicht, verbindet sich mit ihren eigenen geräuschvollen Winde zu einer wundersamen pneumatischen Sinfonie. Ihre Augenlider sinken immer wieder hinunter und decken die dunklen Augen halb zu, die nichtssagend durch die langen, geraden Wimpernschleier hindurch lugen, und die Kiefern malen in einer eigenen, Kuh-spezifischen Kreis-Bewegung unablässig und automatisch.
Sonst bewegt sie sich kaum, nur ein kurzes Kopfschütteln oder ein träger Schwenk mit dem Schwanz, um die Fliegen zu verscheuchen. Sie bietet jetzt, während das Vertilgte als undefinierbar gefärbter Brei durch den enormen Verdauungstracht bis zum Magen Nr.4 wandert, ein Bild eitel widerkäuender Stumpfheit und statischer Gleichmut.
Es dauert Stunden.
Irgendwann steht sie mühsam auf, eher instinktiv als wollend, und läuft, gemessenen Schrittes, langsam über die Wiese Richtung Tränke, wo sie sich das köstliche Nass, in grossen Schlucken und geniesserisch schmatzend, einverleibt, um sich danach an einem in der Nähe stehenden Baum, (welcher, knacksend zwar aber duldsam, diese Herausforderung standhält) schnaufend und langanhaltend, die Flanke zu kratzen.
Danach bleibt sie mitten auf der Wiese stehen, den Kopf in den Wind gestreckt um sich etwas Kühlung zu verschaffen, fast reglos steht sie da mit prallem Euter, darauf wartend, dass der Zweibeiner mit den kalten Händen kommt, um sie vom Druck zu erlösen.
Der Tag neigt sich und ein vertrautes Geräusch von einem Traktor schüttet Glückshormone in ihren Kreislauf, denn sie weiss (wenn auch nur instinktiv, denn Kühe wissen nicht), dass jetzt gleich der Druck von ihr genommen werden wird, und sie sich von ihrem anstrengenden Tagwerk ausruhen kann.


Die Obdachlose (Dez - 99)

Es nachtet so langsam in der grossen Stadt. Die Lichter gehen an, eines nach dem anderen, und bald wuselt es nachtlebig durch die Strassen.
In der Ferne taucht eine Gestalt auf. Es ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, ob es ein Männlein oder Weiblein ist, erst beim Näherkommen erkennt man Einzelheiten. Es ist eine Sandlerin von klassischem Aussehen:
Auf dem Kopf trägt sie etwas, das einmal ein Hut war, man sieht am seidenen Band noch Reste von vergangener Eleganz. Ein Paar, früher mal rot gewesene Blumen, hängen trübe, gegen die Schwerkraft kämpfend, am Hutrand, unter dem graue, struppige Strähnen hervorlugen. Ein dicker Wollschal ist um den Hals gewickelt, und dazwischen schaut ein runzliges, pfiffiges Gesicht hervor, in dessen Mitte eine leuchtend rote Schnapsnase glüht. Die wachen Äuglein schauen durch blitzende Brillengläser hindurch, die beide einen Sprung haben, und die Brille selbst wird an allen möglichen und unmöglichen Orten mit Draht und Hansaplast zusammengehalten.
Sie ist in einen löchrigen Mantel in einer undefinierbaren Farbe gehüllt, der Saum hat sich von der hinteren Mitte bis zur rechten Seite gelöst und hängt nach unten. Die eingerissenen Taschen, innen und aussen, sind prall mit allen möglichen Effekten, vornehmlich leere Flaschen die sie überall aufsammelt, gefüllt. Die Laufmaschen der unansehnlichen Strümpfe bilden ein unregelmässiges Streifenmuster an den von Krampfadern übersähten Waden und die Füsse stecken in staubigen Schuhen, deren schiefgetretene Absätze bei jedem Schritt klappern. Ihr Zuhause hat in zwei Hofer-Plastiktaschen Platz, die dringend wegen Reissgefahr ausgewechselt werden sollten. Sie kommt näher, bleibt stehen und schaut den Passanten an, zuerst aus den Augenwinkeln, dann aber direkt. Plötzlich zischelt sie aus einem Mund, in dem nur zwei Zähne übriggeblieben sind, die in einem grösseren Abstand voneinander stehen und eine gelbliche Farbe angenommen haben:
"Haft net a Paar Filling für mich, für an Fnaps?"
Nachdem sie von den Mildtätigen des erbetene erhalten hat, schlurft sie langsam in Richtung Vergnügungsviertel mit den vielen Lokalen, deren Mülleimer im Hinterhof stets mit guten Abfällen gefüllt sind. Und wenn sie Glück hat, kann sie sogar aus den Weinkisten die an der Wand gestapelt sind, ein Paar Flaschen mit Neigen drin herausfischen. Am Morgen findet man sie dann, meist schlafend und weinselig lächelnd, zwischen den Kisten, während die ersten Sonnenstrahlen den von ihr ausgesuchten Schlafplatz in Licht tauchen, und der unbarmherzige Kreislauf wieder von vorne beginnt.


Der Mai (Mai - 99)

Die auf der Strasse auf dem Rücken liegenden Maikäfer zerplatzen unter den Rädern meines Fahrrades mit lautem knirschen, und hinterlassen feuchte, braun-schwarze Flecken auf dem Asphalt, auf denen sich sogleich, einem biologischen Gesetz folgend, Ameisen oder Fliegen stürzen, je nachdem wer schneller zur Stelle ist.
Deren Unbeweglichkeit und satte, rülpsende Zufriedenheit, die durch den, nach der üppigen Mahlzeit, unaufmerksam verschleierten Blick in den Facettenaugen dokumentiert wird, wird ihnen aber, was sie noch nicht wissen, durch das nächste, ganz sicher vorbeikommende, Fahrzeug zum Verhängnis werden und den kurzen Wonnezustand jäh beenden.

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(© Benny)